»Gib nicht auf – Du weißt nicht, wer oder was Du in Deinem nächsten Leben sein wirst.«

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Mit diesem Satz beendete der Professor für Indologie, Edwin Bryant, seinen Workshop zu den Yoga-Sutren des Patañjali und der Bhagavad Gita. Für ein Wochenende im Juli waren rund 40 Iyengar-Yoga-Übende aus Deutschland, Österreich, Ungarn, Slowakei, Rumnänien, Bulgarien und Slowenien auf Einladung von Erika Repassy und Kevin Gardiner zusammengekommen, um die Aussagen dieser beiden Texte zu studieren und in den Asanas zu erfahren.

Wer bin ich und was ist meine Aufgabe in diesem Leben?

Was ist das richtige Handeln?

So könnte das Suchen und Zweifeln des Kriegers und Pandu-Prinzen Arjuna zu Beginn der epischen Erzählung Bhagavad Gita umrissen werden. In über 700 Versen entspannt sich dann ein Lehrgespräch zwischen ihm und seinem Wagenlenker – niemand als anderes als der Gott Krishna. Die Bhagavad Gita präsentiert eine Synthese der hinduistischen Ideen über Dharma – der Pflicht jedes Einzelnen in diesem Leben, über das theistische bhakti – Gottesverehrung und den yogischen Ideale des Moksha – der Weg zur Befreiung. Der Text umfasst Jnana-, Bhakti-, Karma- und Raja- Yoga und ist der bekannteste und berühmteste hinduistische Text, dessen Ruf nach selbstlosem Handeln viele Akteure der indischen Unabhängigkeitsbewegung inspirierte, darunter Mahatma Gandhi.

Die Yoga-Sutren des Patañjali sind eine Sammlung von 196 Aphorismen über die Theorie und Praxis des Yoga. Zusammengestellt von Patañjali, definieren sie den acht-gliedrigen Pfad des Yogas, beschreiben die Hindernisse, die uns auf unserem Übungs- und Lebensweg begegnen und die Mittel, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen, um »zukünftiges Leiden« zu vermeiden. Im acht-gliedrigen Pfad kommt Asana an dritter Stelle und Patañjali verwendet auf diese Stufe gerade mal drei Verse.

B.K.S. Iyengar sah Zeit seines Lebens die Sutren als wichtigsten Text für seine Übungspraxis. Er war davon überzeugt, dass die sieben anderen Stufen und ihre Elemente im Asana selbst praktiziert werden können: Beispielsweise begann Yama/ soziale Regeln mit ahimsa/Gewaltlosigkeit für ihn nicht erst im Umgang mit Mitmenschen oder Tieren – schon im Ausüben eines Asana verlangt er von seinen Schülern, Gewaltfrei gegen sich selbst vorzugehen, d.h., genau zu beobachten und wahrzunehmen, ob man sich in einen flexiblen unteren Rücken drückt und sich so auf lange Sicht gesehen selbst verletzt, aus purer Unachtsamkeit gegenüber den Bedürfnissen des eigenen Körpers.

Die beiden Texte bieten eine philosophische Grundlage für die eigene Yoga-Praxis. Sie erinnern uns u.a. daran, dass Yoga mehr ist, als das korrekte Ausführen von Yoga-Asanas – auf dem Weg zu unserem wahren inneren Selbst, bleiben sie allerdings ein wertvoller Baustein.